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So gelingt die Integration der Flüchtlinge

Fachtagung der Landesarbeitsgemeinschaft Arbeit in Kiel / Prof. Dr. Pfeiffer: Angst ist der Feind der Integration / Flüchtlingsbeauftragter sieht Win-Win-Situation für das Land

Kiel - Aus der oft gestellten Frage „Wie kann die Integration von Flüchtlingen gelingen?“ wurde im Verlauf einer Fachtagung der Landesarbeitsgemeinschaft Arbeit in Kiel die deutliche Aussage „So gelingt es!“. Zahlreiche Experten aus Norddeutschland entwarfen ein überwiegend positives Bild von verschiedenen Maßnahmen, die eine langfristige und nachhaltige Integration von Migranten zum Ziel haben. Dabei zeigten die Referenten und Teilnehmer ein buntes Bild von erfolgreichen Projekten und Initiativen in Schleswig-Holstein, die bereits heute durch professionelles oder ehrenamtliches Engagement Erfolge verzeichnen. „Jetzt ist es an der Zeit, aus der Willkommenskultur eine Willkommensstruktur zu machen, um eine langfristige und nachhaltige Integration der Migranten zu gewährleisten“, sagte der LAG-Vorsitzende Martin Meers auf der mit mehr als hundert Experten gut besuchten Veranstaltung.

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Im Gespräch mit Moderator Peter Bartelt wurden verschiedene Projekte aus ganz Schleswig-Holstein vorgestellt.

Stefan Schmidt, ehrenamtlicher Flüchtlingsbeauftragter des Landes, sieht Schleswig-Holstein als Vorreiter in Sachen Integration und sprach von einer Win-Win-Situation für das Land. Das bestätigte auch Martin Hamm, Referatsleiter im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie. Demnach fehlen bis zum Jahr 2030 fast 100.000 Fachkräfte, ein Bedarf der ohne Zuwanderung nicht zu decken sei. Insgesamt sind 500.000 mehr Menschen nötig, um die Erwerbsbevölkerung auf einem konstanten Niveau zu halten.

Indessen räumte der international renommierte Kriminologe Prof. Dr. Christian Pfeiffer mit dem Vorurteil auf, dass es durch die Migranten zu einer erhöhten Kriminalität komme. Statistische gesehen ist die Kriminalität seit dem Jahr 2000 sogar um acht Prozent gesunken. Lediglich die Ladendiebstähle nehmen vorübergehend zu, weil die Migranten in den „Konsumtempeln“ nicht zurechtkämen. „Die Angst ist der Feind der Integration“, sagte Prof. Pfeiffer und forderte vor allem Integrationslotsen aus dem arabischen Raum. Der ehemalige Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen sprach sich dafür aus, allen Menschen, die im Zuge der Flüchtlingswelle nach Deutschland gelangt seien, das Bleiberecht auszusprechen. „Wir müssen den Menschen eine Perspektive bieten; nur dann kann eine Integration gelingen. Andernfalls werden viele Menschen aus so genannten sicheren Ländern in die Illegalität und in die Schwarzarbeit abdriften“, erklärte er. Zugleich forderte er vehement, die Flüchtlingsheime zumindest mit einer Außenbeleuchtung und Kameras besser zu schützen. Darüber hinaus müsse die Polizei in die Lage versetzt werden, die per Haftbefehl gesuchten rechtsradikalen Täter zu verhaften.

Anhand konkreter Projekte in den Kreisen Schleswig-Holsteins wurde im Anschluss unter anderem demonstriert, wie Migranten frühzeitig an die deutsche Sprache und Kultur herangeführt werden können. Dabei helfen Sprachmittler wie zum Beispiel im Pinneberger miHimi-Projekt der AWO oder auch eine berufsbezogene Deutschförderung im Rahmen einer ESF-BaMF Förderung als Kooperation von Volkshochschule und Beschäftigungsgesellschaft Flensburg. Neben der Integrationsmaßnahme „Jobtalent“ des Jobcenters Flensburg verfolgen andere Ansätze die Arbeit mit Jugendlichen Asylbewerbern in Kiel-Mettenhof oder im Kreis Ostholstein sowie die Kulturbrücke in Glückstadt.

Die Kleinstadt an der Elbe war durch Bürgermeister Gerhard Blasberg auch in der abschließenden Podiumsdiskussion vertreten, die von Moderator Peter Bartelt geleitet wurde. Immerhin musste Glückstadt innerhalb kürzester Zeit 2000 Flüchtlinge aufnehmen. Doch das war nicht nur eine Herausforderung. „Die Einrichtung in der ehemaligen Kaserne hat sich als regelrechter Jobmotor entwickelt“, berichtet Blasberg. Gerwin Stöcken, Sozialdezernent der Stadt Kiel, zeigte auf, welche Arbeit bisher geleistet wurde, um die 2015 nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge in Rekordzeit unterzubringen und zu versorgen. In der Diskussion wurde jedoch auch deutlich, dass die Grundversorgung erst der Anfang ist und jetzt die sehr viel schwierigere Integrationsarbeit angepackt werden muss.

Petra Eyländer von der Regionaldirektion Nord der Bundesanstalt für Arbeit und Karsten Böhmke, Geschäftsführer des Jobcenter Kiel, waren sich einig, dass die Vermittlung von Flüchtlingen zwar nicht „auf Knopfdruck“ funktioniere, dass es aber zuweilen dennoch sinnvoll sei, die Migranten auch ohne gute Sprachkenntnisse anzustellen. „Wenn wir zu lange warten, werden aus den ehemaligen Flüchtlingen Langzeitarbeitslose – und das wollen wir auf keinen Fall“, sagte Petra Eyländer. Und dass die Migranten arbeiten oder studieren wollen, zeigte sich durch Dijela Hassan aus Syrien, die bereits eine Lehre als Friseurin angetreten hat, und durch den Studenten an der Kieler Universität, Masum Hussein. Die beiden jungen Migranten schilderten auf dem Podium, welche Wege in den Beruf sie genommen haben.

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Auf dem Podium wurden in konzentrierte Form die Erfolge, aber auch die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Integration von Flüchtlingen diskutiert (v. li.): Gerhard Blasberg, Karsten Böhmke, Petra Eyländer, Peter Bartelt, Dijela Hassan, Masum Hussein, Gerwin Stöcken.